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Dein Kind möchte nicht frei laufen. Was jetzt?

Wenn ein Kind mit 18 Monaten noch nicht frei läuft

Wenn ein Kind mit 18 Monaten noch nicht frei läuft, bedeutet das nicht automatisch, dass etwas nicht stimmt. Etwa 90 % der Kinder können mit 18 Monaten frei laufen, etwa 10 % noch nicht. Das ist zunächst einmal nicht automatisch etwas Dramatisches.

Jedes Kind entwickelt sich anders

Entwicklung verläuft nicht bei jedem Kind in allen Bereichen gleich schnell. Manche Kinder setzen ihre Schwerpunkte zunächst eher im motorischen, andere eher im sprachlichen Bereich.
Meine Erfahrung aus der Praxis zeigt immer wieder, dass es so etwas wie „Walker“ und „Talker“ gibt: Kinder, die motorisch sehr schnell sind und früh laufen, sich in ihrer Sprachentwicklung aber noch etwas zurückhaltend zeigen. Umgekehrt gibt es Kinder, die noch nicht laufen, dafür aber schon sehr gut und viel sprechen.

Entscheidend ist das Gesamtbild

Bei der Beurteilung der kindlichen Entwicklung ist deshalb nicht ein einzelner verzögerter Entwicklungsschritt entscheidend, sondern das Gesamtbild der Entwicklung.
Wichtig ist, ob es sich um eine isolierte Verzögerung handelt oder ob mehrere Entwicklungsbereiche betroffen sind und sich bereits zuvor Verzögerungen gezeigt haben.

Erst untersuchen, dann einordnen

Zunächst sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen, um zu beurteilen, ob tatsächlich nur ein einzelner Entwicklungsschritt verzögert ist oder auch andere Entwicklungsbereiche auffällig sind. Wenn die Gesamtentwicklung unauffällig ist und keine neurologischen Auffälligkeiten festgestellt werden konnten, kann im Anschluss eine manualmedizinische Untersuchung sinnvoll sein. Bei manchen Kindern finden sich dabei funktionelle Einschränkungen („Blocken“), die behandelt werden können. Nicht selten beobachten Eltern anschließend zeitnah deutliche Entwicklungsschritte.

Abwarten kann manchmal genau richtig sein

Ich bin ein großer Fan vom „aggressiven Zuwarten“. Bei vielen Kindern entwickeln sich die Dinge mit der Zeit ganz von selbst.
Entscheidend ist, ärztlich zu erkennen, ob möglicherweise doch „mehr“ dahintersteckt. Dafür sollte ein Kind ganzheitlich von Kopf bis Fuß untersucht werden.

Was Eltern zu Hause tun können

Bitte versuchen Sie, das Laufen nicht zu erzwingen. Als Eltern möchte man verständlicherweise helfen – gerade dann, wenn das Abwarten schwerfällt. Verwenden Sie möglichst keine Lauflernhilfe und vermeiden Sie permanentes Hochziehen oder das Laufen an den Händen. Geben Sie Ihrem Kind stattdessen die Möglichkeit, sich aus eigener Initiative zu bewegen und seine motorischen Fähigkeiten in seinem eigenen Tempo zu entwickeln.

Dr. med. Katharina Wenning
Orthopädie & Unfallchirurgie
mit Schwerpunkt Manuelle Medizin bei Kindern

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